Morgenroutine für den Alltag

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Den Wecker bis kurz vor knapp gesnoozed, fix ins Bad, noch einen Coffee to go, etwas Süßes beim Bäcker organisiert und dann schnell ins Büro oder die Uni flitzen. Kommt euch das bekannt vor? Und warum überhaupt eine Morgenroutine?

Alltag in Deutschland?

Hektik am Morgen. Ich denke, es geht vielen von uns so. Wer hat schon in der Woche Zeit, sich ausgiebig um sich selbst zu kümmern? Gerade, wenn man noch Kinder hat! Mittlerweile kann man viel über die Morgenroutine anderer Leute in Blogs lesen oder auf Youtube sehen. Die meisten davon klingen zu schön, um wahr zu sein. Wer einen normalen 8-Stunden-Tag hat, findet selten Zeit, in aller Ruhe morgens zu frühstücken, eine Yoga-Session zu starten und ein komplettes Körperpflege-Programm durchzuziehen. Zumindest, wenn er oder sie noch mehr vom Feierabend haben will, als sofort von der Haustür ins Bett zu fallen.

Die optimale ayurvedische Morgenroutine

Wenn wir es ganz genau machen wollten, würde eine perfekte Morgenroutine im Ayurveda so aussehen:

Du stehst vor dem Sonnenaufgang auf und trinkst direkt danach 1-2 Gläser warmes Wasser. Dann gehst du ins Bad und widmest dich, je nach Konstitution, einer Öl- oder einer Seidenhandschuh-Massage. Danach geht es unter die Dusche. Dann Zunge und Augen reinigen, Nase mit dem Neti-Kännchen spülen, Zähne putzen und Gandusha (Ölziehen). Jetzt machst du dich mit ein paar Sonnengrüßen auf deiner Yoga-Matte fit für den Tag. Danach wird erstmal meditiert. Jetzt kannst du dich endlich an den Herd stellen, um dir ein köstliches warmes Porridge zum Frühstück zuzubereiten.
Klingt nach Wahnsinn? Ist es auch.

Was wirklich sinnvoll ist

Nun, nichts davon ist Quatsch, ganz im Gegenteil. Jeder Teil der ayurvedischen Morgenroutine ist nützlich und für deinen Körper sehr gut. Allerdings ist es  für einen normalsterblichen Bürger dieser Nation kaum möglich, so ein Programm durchzuziehen.

Ich persönlich nutze auch viele Elemente, die mir die ayurvedische Morgenroutine bietet. Nicht alle, aber viele. Hier möchte ich eine kleine Auswahl an Maßnahmen vorstellen, die sich relativ easy in euren Alltag integrieren lassen und die ich selbst regelmäßig anwende:

  1. Früh aufstehen
  2. Warmes Wasser trinken
  3. Zunge reinigen
  4. Gandusha (Ölziehen)
  5. Nasenreinigung
  6. Warmes Frühstück

Frühes Aufstehen

Mein Wecker klingelt um 05:30 Uhr. Ich hatte noch nie so ein großes Problem mit dem frühen Aufstehen. Wer die Zeit früh nutzt, startet normalerweise schwungvoller in den Tag. Denn wer vor 6 Uhr aufsteht, nimmt noch die Vata-Zeit des Tages mit und profitiert so von dem natürlichen Bewegungsdrang dieses Doshas. Von 06:00-10:00 Uhr ist man dann in der Kapha-Zeit und kämpft mit Schwere und Trägheit. Wer jetzt glaubt, niemals vor 6 Uhr aufstehen zu können: Doch, das geht. Es ist eine reine Gewohnheitsfrage 😉

Warmes Wasser trinken

Nach dem Aufstehen gönne ich mir ein Glas warmes Wasser direkt aus dem Wasserhahn. Manchmal auch zwei. Warum? In der Nacht leitet unser Körper Schadstoffe aus, die er nicht behalten will. Er versucht es zumindest. Das schafft er über den Schweiß und die Atemluft, während wir schlafen. Da wir also viel Flüssigkeit über Nacht verlieren, freut sich dein Körper, wenn du ihm ein bisschen davon direkt nach dem Aufstehen zurückschenkst. Außerdem regst du die Verdauung und den Stoffwechsel an. Die meisten fühlen sich danach gleich ein bisschen wacher. Und warum warmes Wasser und nicht kaltes? Warme Getränke und Speisen kann der Körper viel schneller aufnehmen und verarbeiten, da er keine Energie braucht, um diese auf Körpertemperatur zu bringen. Und Energie ist ja gerade das, was wir haben wollen, stimmt’s?

Zunge reinigen

Die Zunge morgens vor dem Zähneputzen zu reinigen ist nicht nur eine gute Sache für unsere Zähne und unser Zahnfleisch. Wir kratzen damit einen Teil der Schadstoffe, die ich eben bereits erwähnt hatte, von der Zunge. Wenn wir das nicht tun, würden wir sie über die Nahrung früher oder später wieder aufnehmen. Das wäre ziemlich kontraproduktiv, denn unser Körper hat echt schwer dafür gearbeitet, das alles loszuwerden. Einige Drogerien bieten Zungenreiniger aus Plastik an oder Zahnbürsten mit Aufsatz. Das ist vielleicht besser als nichts, aber wirklich effektiv und nachhaltig (für Mensch und Umwelt) sind diese Exemplare aus Metall. Damit könnt ihr einfach ein paar Mal von hinten nach vorn über die Zunge gehen und den Belag abstreifen.

Gandusha (Ölziehen)

Ölziehen ist eine sehr gute Methode, um Zähne und Zahnfleisch vor Bakterien und Karies zu schützen. Dabei wird ein Esslöffel Öl (Vatas und Kaphas nehmen Sesam- oder Olivenöl, Pittas lieber Kokosöl) in den Mund genommen und hin und herbewegt. Durch die Zahnzwischenräumen ziehen, oben, unten, … Nach 3-5 Minuten könnt ihr das Öl ausspucken. Das ist eine schöne Sache, die man machen kann, während man unter der Dusche steht. So verliert man keine Zeit und tut sich und seinen Zähnen etwas Gutes.

Nasenreinigung

Die Nase mit Salzwasser zu spülen ist auf dem ersten Blick etwas befremdlich, das gebe ich zu. Ich selbst habe auch etwas Zeit gebraucht, bis ich mich da rangetraut habe. Mit einem Neti-Kännchen wird Salzwasser in ein Nasenloch „gegossen“. Aus dem anderen Nasenloch kommt es wieder raus. Die gleiche Prozedur wird dann noch einmal für das andere Nasenloch wiederholt. Sieht komisch aus, also macht besser die Tür zu, damit euch keiner sieht… Aber diese Anwendung ist ganz toll bei trockenen Schleimhäuten im Herbst und Winter, und im Frühjahr, wenn die ersten Pollen wieder nerven. Nach dem Spülen gebt ihr dann am besten noch einen Spritzer Sesamöl in die Nase, damit die Schleimhäute nicht zu sehr austrocknen.

Warmes Frühstück

Ich kann mir schon vorstellen, wie eure Blicke jetzt aussehen. „Was? Wann soll ich das denn noch machen?“ Eigentlich es ganz easy. Ich brauche morgens zwei Minuten, bis ich ein warmes Frühstück auf dem Tisch habe. Wie das geht? Ich bereite mein Porridge am Abend vor. Alle Zutaten kommen in einen mikrowellentauglichen Becher. Am Morgen hole ich den Becher aus dem Kühlschrank und stelle ihn dann im Büro für zwei Minuten in die Mikrowelle. So kann ich in aller Ruhe mein leckeres, sättigendes Frühstück essen, bevor meine Kollegen kommen. Habt ihr im Büro keine Ruhe? Dann genießt euer Frühstück einfach zu Hause. Auch die Umgebung ist beim Essen wichtig für die Verdauung!

Und wenn’s doch nicht klappt?

Das ist gar nicht schlimm, macht euch nicht verrückt. Wichtig ist, dass ihr versucht, eine kleine Routine zu entwickeln. Euer Körper wird sich daran gewöhnen und ihr könnt ruhiger und ausgeglichener in den Tag starten. Und wenn doch mal alles drunter und drüber geht, dann versucht ihr es morgen wieder. Setzt euch nicht selbst unter Druck, denn mit Selbst-Stress erreicht ihr genau das Gegenteil.

Es ist sogar sehr gut, wenn ihr euch vornehmt, nur einen Teilaspekt dieses großes Themas anzuwenden. Dann könnt ihr nach und nach Maßnahmen ergänzen und plötzlich ist alles gar nicht mehr so aufwendig und zeitraubend, wie man denkt.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Start in den Tag!

Sylvia

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